07.
Apr.
2017
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Wir sind dann mal in der Wüste

Marokko mit Kindern? Klingt nach einem Abenteuer. Wie es ein märchenhaftes wird, weiß Reisebuchautorin Britta Schmidt von Groeling

Kim hat einen neuen Freund: Jamal heißt er, und lebt in Marokko. Kim, das ist die Kinderbuchheldin aus der Reihe World for kids!, die Britta Schmidt von Groeling erfunden hat. Darin lässt sie das neugierige Mädchen mit den blauen Haaren die spannendsten Regionen nah und fern erkunden. Ihr Markenzeichen: Alle mit ihren Fragen zu löchern. Nun will sie also von Jamal wissen: Was machen die Ziegen auf den Bäumen? Wo kommen die braunen Muster auf den Händen der Frauen her? Und viiieles mehr, nachzulesen in Kims viertem Abenteuer Marokko for kids.

An Britta hatte ich selbst eine Menge Fragen, denn Marokko ist schon lange ein Sehnsuchtsziel von mir. Nur war ich mir bislang nicht sicher, ob eine Rundreise mit Kindern nicht eher zur Strapaze wird. Im Frühjahr war Britta mit ihrer Familie (die Kids sind 6 und 7 Jahre alt) auf Recherchereise dort. Lest hier ihre Tipps für einen Marokko-Urlaub, bei dem alle auf ihre Kosten kommen!

Saint Iva: Marokko mit Kids – da muss man erstmal drauf kommen! Habt ihr euch überall sicher gefühlt?

Saint_Iva_Marokko

Britta: Ja. Aber Marokko ist natürlich ein sehr viel ärmeres Land als Deutschland. Das sieht man insbesondere in den ländlichen Gegenden. Wer selbst mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich die Seiten des Auswärtigen Amts anschauen, dort gibt es Hinweise, wo man getrost hinfahren kann und welche Gegenden zu meiden sind. Das betrifft aber eher die Randgebiete des Landes. Die Straßen in Marokko sind übrigens sehr gut, auch in den Bergen.

Ist das Land auf Familienurlaub gut eingestellt?

B.: Marokko ist sehr familienfreundlich. Die Erwachsenen achten sehr darauf, dass sich die Kinder wohlfühlen. Für Kids ist das Land so exotisch und fremd, dass Familien hier gar kein spezielles Kinder-Freizeitangebot brauchen. Allein ein Spaziergang durch Marrakesch, ein Trip in die Wüste, der Strand, all das sind ja Dinge, die Kinder faszinieren.

Wo habt ihr gewohnt?

B.: Wir haben vorzugsweise in Riads gewohnt. Das sind herrschaftliche Häuser, in denen früher die Oberschicht gelebt hat, und die heute zum Teil in Herbergen verwandelt wurden. Sie zeichnen sich durch die familiäre Atmosphäre aus und haben einen sehr speziellen Baustil: die sind um einen Innenhof gebaut, der meist als wunderschöner Garten mit Bäumen, Bänken und Blumen gestaltet ist. Und man kann oft auch auf der Dachterrasse sitzen. Ein stiller Ort inmitten des Treibens, häufig von außen unscheinbar, aber innen wie in Tausend-und-einer-Nacht.

Was sind besonders geeignete Regionen und Highlights für Familien?

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B.: Wir haben insbesondere den Süden des Landes bereist. Zuerst sind wir am Meer gewesen, in Essaouira, einer entspannten Küstenstadt mit alten Häusern und einer Stadtmauer. Dann sind wir aufgebrochen zu einer Rundfahrt. Dabei sind wir durch Taroudant gekommen, eine faszinierende Stadt, von der aus man das Atlasgebirge im Hintergrund sehen kann. Weiter ging es bis nach Quarzazate. Die Gegend mit den Wohnburgen aus Lehm, riesigen Stadttoren und traumhaften Farben zum Sonnenuntergang diente schon vielen Filmen als Kulisse. Von dort aus fährt man in die Wüste, sie hat die Kinder besonders fasziniert. Wir haben Nomadenzelte gesehen, natürlich Kamele.

In den Riads konnten wir Störche auf den Dächern beobachten und den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse genießen. Herrlich!

Marokko hat so viele Facetten. Vom Meer, durch die Wüste und dann noch in die Berge – da fehlen nur noch die Königsstädte! Wir waren am Schluss in Marrakesch. Die Stadt ist quirlig, aufregend und exotisch. Aber in dem Riad, in dem wir gewohnt haben, haben wir auch viele ruhige Momente erlebt, in denen wir Störche auf den Dächern beobachtet haben oder den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse genossen haben. Herrlich!

Wie ist der Dresscode?

B.: Lange Klamotten. Auch wenn die Marokkaner gegenüber Touristen die Messlatte sehr viel niedriger anlegen, so fühle ich für meinen Teil mich dennoch sehr viel wohler, wenn ich mich den hiesigen Gepflogenheiten anpasse. Und in Marokko ist es nun einmal so, dass man Einheimische nicht in kurzen Hosen, Miniröcken oder ärmellosen Tops sieht – von ein paar wenigen Ausnahmen in Marrakesch mal abgesehen. Außerdem schützen leichte, weite und luftdurchlässige Kleidungsstücke nicht nur die Haut vor der Sonne, sondern sind bei Hitze weitaus angenehmer zu tragen als enganliegende Sachen. Wer eine Moschee besuchen möchte, sollte ebenfalls lange Sachen tragen und ein Tuch mitnehmen, um sich die Haare zu bedecken.

Wie seid ihr mit der Hitze umgegangen?

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B.: Wir waren im Frühling da, das heißt, wir hatten eher mit den kühlen Nächten zu kämpfen, denn wir hatten kaum warme Kleidung mitgenommen. Auch im Gebirge war es ganz schön kühl nachts. Mit Hitze gehe ich in warmen Ländern immer so um: mittags ruhen, im Schatten bleiben und auch die Kinder dazu bringen, nicht in der prallen Sonne herumzulaufen. Wenn das nicht klappt, werden sie mit extraviel Sonnencreme eingecremt. Ein Auto mit Klimaanlage ist natürlich auch toll. Auch in den Unterkünften haben wir mittags die Aircon angestellt. Aber die Riads werden ja meist nicht so heiß: Die bepflanzten Höfe kühlen die Häuser.

Wann ist die beste Reisezeit?

B.: Frühling und Herbst. Im Sommer würde ich an der Küste bleiben. Aber das ist eigentlich zu schade, denn Marokko hat so viel zu bieten und es gibt so viel zu sehen!

Hast du spezielle Tipps zur Reisevorbereitung? Was muss in den Koffer, was kann man vor Ort besorgen?

B.: Sollte man mit sehr kleinen Kindern reisen, Babynahrung oder bestimmte Produkte unbedingt benötigen, würde ich raten, diese Dinge mitzunehmen. Gerade außerhalb der Städte ist die Versorgung mit Kinderartikeln nicht sehr gut. Ansonsten bin ich mittlerweile ein Freund von weniger ist mehr. Es reist sich gerade mit Kindern leichter, wenn man weniger mitnimmt. Und zur allergrößten Not kann man auch mal einen Waschservice bemühen. Spielzeug für die Kinder haben wir mittlerweile auch auf ein Minimum beschränkt: Kuscheltiere und etwas zum Vorlesen, Malzeug bekommen sie meist im Flugzeug. Vor Ort kauft man ja dann auch mal eine Kleinigkeit, ansonsten sind die Kinder ohnehin mit den vielen Eindrücken des Landes beschäftigt, so dass ihnen ihr Spielzeug gar nicht fehlt.

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Sonnencreme muss mit, Sonnenhüte für alle, ein Tuch für die Frauen, bequeme Schuhe, denn die Souk-Besuche dauern immer länger als man denkt, vielleicht auch ein Fernglas, wenn man über Land fährt. Ich nehme immer ein Anti-Juck-Mittel mit, falls irgendwo eine Mücke sticht. Wenn man auf eigene Faust unterwegs ist, kann es nicht schaden, sich eine Offline-Navigations-App herunterzuladen, denn WLAN ist recht dünn gesät. Die Reiseapotheke nicht vergessen und natürlich „Marokko for kids“ einpacken!


Wer nun auf Brittas (und Kims) Spuren wandeln möchte, kann das mit ihren tollen Übernachtungstipps:

In Essaouira haben wir im Riad Zahra gewohnt. Es wird von einem spanischen Ehepaar betrieben, das für eine kinderfreundliche Atmosphäre sorgt. Die Zimmer sind sehr schön und großzügig gestaltet, das Essen ist fantastisch, es gibt einen Pool, in dem eine Wasserschildkrötenfamilie wohnt, und der Strand ist nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt. Bis zur Innenstadt läuft man am Strand entlang etwa 20 Minuten. Die Lage ist sehr ruhig und entspannt.

In Taroudant haben wir bei der Ankunft so ein typisches Riad-Erlebnis gehabt: Der Eingang zum Riad Taroudant ist so unscheinbar, dass wir erst einmal Zweifel hatten, was wohl dahinter liegt. Und wurden von einem hübschen Innenhof überrascht, mit Tee versorgt und abends mit einer Tajine verwöhnt, nach der sich meine Tochter noch heute sehnt. Auch dieses Riad liegt nicht direkt im Stadtzentrum, sondern ein paar Straßen außerhalb der Stadtmauern. Toll, dass man sich mit einer Pferdekutsche nach Hause bringen lassen kann!

Saint_Iva_Marokko_Riad

Der Erg Chebbi ist das größte Sanddünengebiet Marokkos. Dort haben wir im großen Hotel Mohayut gewohnt, dass in einer Kasbah untergebracht ist, so werden die alten Lehmbauten genannt, die fast wie unsere Burgen aussehen: große Anlagen mit beeindruckenden Toren und Zinnen. Einige sind mit modernen Baustoffen restauriert worden – jedoch unsichtbar für das Laien-Auge. Die Kasbah Mohayut hat einen tollen Pool, viele Höfe und Gänge, in denen Kinder herumstromern können und große geräumige Zimmer. Von dort startet der Trip in die Wüste.

Wenn man sich einen Abend in einem wunderschönen Garten gönnen möchte, sollte man im Les Jardins de Skoura übernachten. Die Besitzerin hat dieses Kleinod zu einem Paradies gestaltet. Und hier gibt es den besten Couscous ganz Marokkos – Wellness pur!

In Marrakesch haben wir im zentrumnahen Riad Aladdin gewohnt, was Sinn macht, denn von dort aus konnten wir alle Erkundungen zu Fuß machen. Der Djeema el Fna, der Platz der Gehenkten, ist nur wenige Minuten entfernt, dahinter liegen die Souks. Das Riad selbst ist sehr geschmackvoll, das Frühstück lecker, die Räume kühl und stilvoll eingerichtet, aber am schönsten ist die Dachterrasse: Tagsüber haben wir die Störche beobachtet, abends dem Treiben der Stadt gelauscht, wirklich ein toller Ort.


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