09.
Nov.
2015
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Urlaub bei Freunden – Der ultimative Knigge

Fettnäpfe umschiffen, Vorschriften diskret boykottieren – 5 Goldene Regeln, wie man gern gesehener Gast bleibt

Urlaubskasse leer, aber das Fernweh nagt? Da kann sich glücklich schätzen, wer Freunde an attraktiven Reisezielen hat. Der verlängerte Besuch bei den lieben Bekannten scheint zum Trend zu werden – zumindest als Zweit- oder Dritturlaub im Jahr. Und zwar mit Kind und Kegel. Voraussetzung ist, dass die Freunde über ausreichend Platz verfügen. Im Idealfall über gleichaltrige Kinder. Ist dies gegeben, steht dem harmonischen Pärchentreffen mit integriertem Kidsclub nichts mehr im Wege. Oder?

Klar ist: In jeder Familie herrschen ausgesprochene und unausgesprochene Regeln. Fettnapf-Gefahr! Welchen Vorschriften man sich höflich anpassen sollte und welche man diskret (!) boykottieren darf, lest ihr hier.

1. Gastgeschenke für die Kinder: Immer eine gute Idee

Besonders, wenn man die Kinder der Freunde kaum kennt – so bricht das Eis schneller. Am besten vorher bei der Mutter erkundigen, womit man Freude bereiten kann - nicht nur dem Kind, sondern auch den Eltern. D.h. Finger weg von jaulenden Polizeiautos und ABC-singenden Entchen! Ebenso heikel sind martialische Comicfiguren oder Disney-Merchandising-Artikel – sonst erfährt man womöglich zu spät, dass die Freundin „diese ganze fantasieraubende Plastikkonsumindustrie aus den USA“ verabscheut. Schön sind Hörspiele, speziell solche aus der Zeit, als die Freunde selbst noch jung waren, z.B. „Die drei Fragezeichen“. Ja, die gibt es noch! Sie nehmen im Koffer auch keinen Platz weg.

2. Ernährung: Essen und essen lassen

Cola nur Sonntags? Gummibärchen vegan? Kuchen glutenfrei? Solange es um keine ernsthaften Unverträglichkeiten geht, kann man ja alles mal probieren. Dogmen sollte man sich allerdings nicht unterwerfen müssen. Schließlich können die eigenen Kinder den fremden Regeln entsprechend nicht mal eben umkonditioniert werden. Wer es gewohnt ist, jeden Morgen eine Caprisonne zu trinken, wird dies auch am Urlaubsort einfordern. Also immer eine kleine Menge des entsprechenden „Stoffs“ dabeihaben und in unbeobachteten Momenten verabreichen. Niemals vor den Augen der Gastgeberkinder! Heftige Begehrlichkeiten und Verstimmungen mit der Mutter wären die Folge.

3. Tischsitten: Traditionalisten vs. Anarchisten

Dies die zwei äußersten Pole einer großen Bandbreite an Tischtypen. Frieden finden beide auf ihre Weise. Die Traditionalisten durch strenge Ordnung, die von frühesten Kindheitstagen an eingeübt wurde. Stets liegt die Serviette auf dem Schoß, ist der Rücken gerade, wird der Teller aufgegessen. In manchen Familien darf das Kind erst ab einem gewissen Alter überhaupt mit an den Tisch; die Erwachsenen möchten sich schließlich in Ruhe unterhalten. Andere Familien entspannen sich durch maximales Laissez-Faire: Es kommt und geht, wer mag, Händewaschen bleibt eine Option und das Playmobilpferd darf den Brei gern probieren. Zu Besuch bei Traditionalisten empfiehlt sich ein Kompromiss: Falls möglich, isst man mit seinen Kindern an einem separaten Tisch. Oder macht mit ihnen ein Picknick im Garten. Zu Besuch bei Anarchisten gilt das Motto: Solange niemand verletzt wird und die Hausfrau die ganze Sauerei selbst beseitigt, darf man sich auch mal zurücklehnen.

4. Ausflüge: Wer, wann, was, wo?

Diese Fragen sorgen in großen Gruppen zwangsläufig für Konfusion. Manche Freunde möchten ihren Gästen etwas Besonderes bieten. Ein neues Ausflugsziel ausprobieren, das sie selbst noch nicht kennen (In die Suche danach involviert zu werden, kann anstrengend sein). Doch manche Gäste möchten einfach nur an den bewährten Strand vom letzten Mal. Hier hilft ausgiebiges Loben der wunderschön ausgesuchten Location und Beharren. Natürlich wäre es Hexerei, wenn beide Familien es schaffen würden, gleichzeitig abmarschbereit zu werden. Jeder Versuch, in das empfindliche mütterliche System des Kinderanziehens, Zähneputzens, Haare kämmens, Windeln wechselns, sich schminkens, Apfelschneidens, Stulleschmierens und Wechselwäsche einpackens einzugreifen, wird zu mehr Schaden als Nutzen führen. Es sei denn, der Gast bekommt explizite Aufgaben zugewiesen. Ansonsten gilt: Wird der Gast zuerst fertig, darf er vorfahren. Wozu gibt es Handys.

5. Schlafenszeit – die abendliche Bewährungsprobe

Ist es legitim, mit dem Kind zusammen einzuschlafen, wenn man es zu Bett bringt? Peinlich kann das sein, wenn die Freunde unten mit dem guten Wein warten! Aber vorgekommen ist es schon... Irritationen kann man vorbeugen, indem man den möglichen Lapsus vorab scherzhaft anspricht und die Reaktion der Freunde darauf untersucht. Ist da Verständnis, vielleicht sogar Erleichterung, für keine Abendunterhaltung mehr sorgen zu müssen? Oder ist da leise Empörung, nun des besten Teils des Besuchs, nämlich des ungestörten Erwachsenengesprächs, beraubt zu werden? Hier ist unbedingte Anpassung an die Erwartungen der Gastgeber gefragt, ist die Müdigkeit auch noch so groß. Einigkeit sollte auch über die Schlafenszeit der Kinder als solche herrschen, die sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Habe ich etwas vergessen? Was habt ihr im Urlaub bei Freunden schon erlebt?

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