26.
Jun.
2017
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Urlaub aus der Wundertüte

Friesenhaus, Grotte oder Poolvilla – bei der Haustausch-Community GuestToGuest darf man gespannt sein, wo man in den Ferien landet

Das ist der Moment, wenn der Urlaub richtig beginnt: Der erste Blick aufs Meer, die Schuhe in den Sand geworfen, die Zehen ins kalte Wasser getaucht – angekommen! Da ist es auch egal, dass das Nordseewetter unbeständig ist wie immer. Und ja, jetzt verstehe ich auch die Eigenwerbung unterm Motto „Friesische Karibik“, hier am kilometerlangen, fein-weißen, flach abfallenden Strand von Föhr.

Wir wohnen mitten unter den „locals“ in einem ruhigen Wohnviertel des Inselhauptstädtchens Wyk, ca. 15 Fußminuten von der Strandpromenade entfernt. Gleich hinterm Haus liegt ein großer Spielplatz mit Fußballwiese, ab und zu schaut mal ein Kind vorbei, von Geräuschkulisse keine Rede. We love it! Unsere Gastgeberin ist Dorota, eine Künstlerin, die unsere Ferienwohnung mit ihren eigenen Bildern ausgestattet hat, darauf typische Motive der Insel – Schafe, Muscheln, Pusteblumen. Heimelig und geschmackvoll.

Mehr als eine Viertelmillion Leute sind in der Community aktiv, weltweit

Ein echter Geheimtipp also... den wir hiermit gern teilen möchten :-) Entdeckt auf der in Deutschland noch relativ neuen Seite GuestToGuest, einer Haustausch-Community, auf der 230.000 Privatunterkünfte in 187 Ländern weltweit gelistet sind. Etwa 300.000 Leute im Alter von 18 bis 82, die ihr Zuhause das ganze Jahr über teilen und tauschen, sind auf der Seite aktiv.

Wobei der Begriff „Haus“ auf GuestToGuest weit gefasst ist: es sind normale Wohnungen darunter, aber auch Abgefahrenes wie eine Grotte auf der Baleareninsel Menorca, eine Poolvilla auf La Réunion, ein Atelier in Paris, ein Haus mit Privatstrand in Guatemala... Insgesamt ein bisschen Frankreich-lastig, da GuestToGuest eine französische Gründung ist.

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Erst war ich skeptisch: Wer will denn in unserer chaotischen Familienbude wohnen, die meistens wie ein einziges großes Kinderzimmer aussieht? Und wenn ja: will ich das? Aber das gute ist: Man kann den Haustausch auch einseitig vornehmen, d.h. man muss sein eigenes Domizil nicht zwangsläufig ebenfalls zur Verfügung stellen, sondern kann seinen Gastgeber in sog. GuestPoints bezahlen. Ein gutes Sümmchen erhält man schon allein dadurch, dass man sich bei GuestToGuest anmeldet und sein Profil vervollständigt – also seine Wohnung beschreibt und ein paar Bilder davon hochlädt.

Anfragen von Bornholm bis Bozen – da heißt es flexibel bleiben

So kann man erstmal unbesorgt haustauschwillige Mitglieder weltweit kontaktieren und die Frage, ob man auch selbst Gastgeber werden möchte, auf später verschieben. Mit den GuestPoints, die der Gastgeber von seinen Gästen erhält, kann er wiederum seinen nächsten Urlaub bei einem der GuesttoGuest-Mitglieder „bezahlen“. Preiswerter lässt sich's kaum verreisen.

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Die Suche selbst stellte sich als eine Art Griff in die Wundertüte heraus – innerhalb kurzer Zeit hatte ich Anfragen bei Mitgliedern von Bornholm bis Bozen am Laufen. Denn nicht alle Mitglieder antworten gleich, und bei manchen klappt es eben vom Zeitraum her nicht... da heißt es: flexibel sein und am Ball bleiben. Was ich erst nervig fand, entwickelte sich nach ein paar Tagen fast zur Sucht – immer weiter nach neuen Optionen Ausschau zu halten und Anfragen zu stellen – und ich fand es richtig spannend, wohin uns die Reise am Ende tatsächlich führen würde.

Einladung zum Haustausch aus Caracas – jetzt wird die Bude fein gemacht

Mit Föhr haben wir dann sicher einen der Hauptpreise gezogen. Dorotas Wohnung liegt im 1. Stock ihres Privathauses und ist ganzjährig eine reine Ferienwohnung. Fand ich auch eine gute Option für Leute, die mit der Vorstellung fremdeln, im intimen Umfeld von unbekannten Leuten zu wohnen (so wie ich). Gleichzeitig war die Wohnung so gemütlich und stilsicher eingerichtet, dass man dort direkt hätte einziehen mögen. Familienfreundlichkeit ist bei der Unterkunftsvermittlung von GuesttoGuest natürlich ein interessantes Kriterium, die Gastgeber geben direkt an, ob Kinder willkommen sind und was ihre Gegend für Kids zu bieten hat. So kann man sicher sein, um richtigen Umfeld zu landen.

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Ich bin jedenfalls auf den Geschmack gekommen, und das bedeutet: die eigene Wohnung wird – wie sowieso längst überfällig – entrümpelt und aufgehübscht, dann will ich mich auch mal als Gastgeberin versuchen. Schließlich haben wir eine ganz reizende Tauschanfrage aus Caracas, Venezuela, erhalten... :-)


Copyright für alle Bilder im Text: GuestToGuest (Bild 1: Poolvilla auf La Réunion; Bild 2: Dachterrasse in Montevideo; Bild 3: Strandhaus in Guatemala)

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