31.
Aug.
2016
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Mecklenburgs blaue Lagune

Auf ans Stettiner Haff, solange der Sommer noch hält! Der Urlaub lässt sich sogar mit Schlossromantik inmitten von Weinbergen verbinden

Werbeslogans von Tourismusämtern finde ich ja meistens blöd, in diesem Falle bin ich aber einverstanden: „Stettiner Haff – Fast zu schön zum Weitersagen.“ In freundliche, aber ratlose Augen blickte ich im Freundeskreis, als ich von unserem Wochenendtrip erzählte, dabei ist es von Berlin aus gesehen das naheste Ziel an der Ostsee. Die Platzhirschen Heringsdorf, Binz und Darß sind einfach bekannter. Doch lohnt die Fahrt in jeder Hinsicht!

Das Küstenstädtchen Ueckermünde im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns war unsere erste Station, nach etwas mehr als zwei Stunden Fahrt ließen wir uns direkt aus dem Auto an den Strand fallen. Feinkörniger Sand auf 800 Metern, ein paar Imbisse, Spielgeräte, Volleyballfelder und eine Minigolf-Anlage – hier kann man gut den ganzen Tag vertrödeln. Für die Kids war natürlich das Wasser der Hit. Badewanniger ist die Ostsee nirgendwo!

Weder Steine noch Quallen trüben den Spaß

Das Stettiner Haff, benannt nach der polnischen Stadt Stettin (Szczecin) am südlichen Ende der Bucht, ist ein inneres Küstengewässer der Ostsee südlich der Insel Usedom. Man könnte statt Haff auch Lagune sagen, aber das klänge dann wohl doch zu tropisch :-) Der Einstieg ins Wasser ist über hunderte von Metern ganz flach, die Wellen verhalten, und weder Steine noch Quallen trüben den Spaß. Dazu weht ein leichtes Lüftchen, das auch einen Strandtag bei 32 Grad angenehm macht. Die Flüsse Oder und Peene münden im Stettiner Haff, daher schmeckt das Wasser kaum salzig.

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Ich bin gern abseits vom Trubel unterwegs, daher führte unser Weg am nächsten Tag ins Dörfchen Mönkebude, nur ein paar Autominuten westlich von Ueckermünde. Es braucht so wenig, um mich glücklich zu machen, und dieses „wenige“ ist in Mönkebude in allerliebster Weise vertreten: Eine 500 Meter lange Bucht mit feinstem Sand, blau-weißen Strandkörben, gerahmt von schattenspendenden Bäumen, dahinter ein Abenteuerspielplatz. Und auch hier über hunderte von Metern ein superflacher Einstieg ins Wasser, das für Ostsee-Verhältnisse richtig warm ist – ich war sogar selbst drin schwimmen, das hat es noch nie gegeben!

Mönkebude bricht unseren „Ostsee-Fluch“

Ein bisschen Auslauf und malerische Motive bietet der kleine Yachthafen, bei Hunger gibt's Pommes und Softeis. Das Dörfchen selbst ist hübsch und verträumt, nur vereinzelt laden Restaurants und Pensionen zur Einkehr. Mönkebude ist ein Geheimtipp, der noch dazu damit wirbt, in der „regenärmsten Region‟ Deutschlands zu liegen. Es wesentlicher Punkt auf meiner persönlichen Urlaubsglücks-Skala. Hier wurde, so scheint's, unser „Ostsee-Fluch“ gebrochen, der uns in den vergangenen Jahren von Flensburg bis Ahlbeck mit Dauerregen zur Verzweiflung brachte.

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Unser Ferienhaus lag zwar weit ab vom Meer – so kurzfristig war hier nichts mehr zu bekommen –, bescherte uns so aber zwei Mikro-Urlaube in einem. Parkhotel Schloss Rattey hieß unser Domizil, dort bewohnten wir den geschmackvoll restaurierten „Speicher“. Schloss Rattey liegt im Landkreis Mecklenburg-Strelitz, nur ein paar Kilometer nordwestlich der bekannteren Uckermark – und eine knappe Autostunde vom Stettiner Haff entfernt. Die Landschaft rings um das Schloss ist von ganz eigenem Zauber, den wir gern auf weiten Wanderungen ausgekostet hätten (ok, oder ich zumindest).

Verwunschenes Schloss inmitten von Weinbergen

Rattey ist ein altes Rittergut, das schon Anfang des 14. Jahrhunderts Erwähnung findet. Ansässig war dort ursprünglich die Familie Manteuffel, ab Ende des 18. Jahrhunderts die Adelsfamilie von Oertzen. Die Hofanlage in der jetzigen Form wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt. 1998 eröffnete das klassizistische Herrenhaus mit 14 Zimmern und sechs Ferienhäusern als Hotelanlage. Der wild verwunschene Schlosspark mit Teichen und Brückchen, antiken Statuen, Steinbänken und Pavillons grenzt an eine weite Feld- und Waldlandschaft, die an Motive Caspar David Friedrichs erinnert. Bei so viel Romantik wundert es nicht, dass Schloss Rattey ein beliebtes Ziel für Hochzeitsgesellschaften ist.

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Auch für Weinliebhaber ist es ein interessantes Ziel: Aus den Weinbergen, die das Anwesen auf 3,5 Hektar umgeben, wird der trockene rote Mecklenburger Landwein gekeltert. Das Schloss hat selbst eine Kellerei und verkauft die Tropfen vor Ort. Da kommen auch Opa und Oma das nächste Mal gern mit.

Hier noch ein paar Impressionen unserer Reise:

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Blick auf unser Ferienhaus „Speicher“

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Der Schlosspark mit Herrenhaus

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Schlosspark mit Brückchen

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Die Weinberge

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Am Hafen von Mönkebude

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Yachten im Hafen von Mönkebude

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