06.
Jan.
2017
#

Gute Reise heißt künftig auch: Faire Reise!

Meine TOP 5 der guten Vorsätze – ein Beitrag zum Internationalen Jahr für Nachhaltigen Tourismus 2017

Wie steht's mit euren guten Vorsätzen für dieses Jahr? Mehr Sport, weniger Süßes, geduldiger sein – das übliche? Ich habe noch jede Menge sinnvolle Vorsätze für euch, was eure Reiseplanung betrifft. Dazu angeregt hat mich die Lektüre von FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen von Frank Herrmann.

Wenn es draußen so ungemütlich ist wie jetzt, schwelgen die meisten von uns am liebsten in Gedanken an den nächsten Sommerurlaub. Bislang waren mir bei der Planung vor allem Kriterien wie „Direktflug“, „Strandnähne“ und „Kinderausstattung“ wichtig. Dieses Mal werde ich genauer hinschauen, wo wir übernachten werden, wie wir dort hinkommen und was wir vor Ort unternehmen.

Erdrückende Schattenseiten des Tourismus

Fair, solidarisch, nachhaltig, verträglich, öko – es gibt viele Begriffe, mit denen man eine verantwortungsbewusste Form des Reisens labeln kann. Fakt ist: Jährlich verreisen mehr als eine Milliarde Menschen, die Reisebranche zählt zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren weltweit. Damit birgt sie ein riesiges Potential für eine nachhaltige Entwicklung, für sozialen und wirtschaftlichen Nutzen gerade in ärmeren Ländern. Auf der anderen Seite stehen die erdrückenden Schattenseiten des globalen Tourismus: Umweltzerstörung, Müllberge, Kinderarbeit, Misshandlung von Tieren, Landvertreibung, Wasserverschwendung, Korruption... Nicht umsonst haben die Vereinten Nationen das Thema für das neue Jahr ganz oben auf die Agenda gesetzt: 2017 ist das Internationale Jahr für Nachhaltigen Tourismus.

Vielfältige Aspekte der Nachhaltigkeit

In seinem Buch skizziert Herrmann das Ideal eines umweltschonenden, fair handelnden Hotels: Es produziert seinen Strom selbst und achtet darauf, seinen Wasser- und Abfallverbrauch zu minimieren. Serviert werden regionale Speisen, gratis stehen den Gästen Fahrräder zur Verfügung. Alle Mitarbeiter werden fair entlohnt. Das Hotel unterstützt soziale Projekte, reduziert seine Treibhausgas-Emissionen und verlangt Nachhaltigkeit als dauerhafte Komponente auch von seinen Lieferanten. Ein solches Hotel gibt es leider noch nicht, aber weltweit bereits einige, die diesem Ideal nahekommen. Wenn ihr bei eurer nächsten Reiseplanung nur auf einige dieser Aspekte achtet, ist schon etwas gewonnen.

Meine TOP 5 der guten Reisevorsätze

Hier möchte ich euch meine TOP 5 der guten Reisevorsätze ans Herz legen, die ich mir nicht nur für 2017 vorgenommen habe:

  • Treibhausgase kompensieren

Wer reist, erzeugt klimaschädliche Gase – besonders durch den Flug, zudem durch die Beherbergung und Aktivitäten vor Ort. Wie viel genau, könnt ihr euch z.B. bei myclimate ausrechnen – und die eigenen Emissionen durch einen Beitrag für ein Klimaschutzprojekt kompensieren. Leider basiert diese Praxis bei der Reisebuchung bislang noch auf Freiwilligkeit. Immerhin machen einige Veranstalter wie z.B. Hauser Exkursionen (hat auch Traumreisen mit Kindern im Programm) im Buchungsverlauf auf die Möglichkeit der Kompensation aufmerksam und verlinken zu atmosfair. Davon abgesehen: Muss es überhaupt eine Flugreise sein? Oder geht auch Bus oder Bahn, vielleicht sogar Fahrrad?

Als die größten Umweltkiller und Arbeitgeber mit fragwürdigsten Bedingungen identifiziert Herrmann in seinem Buch übrigens Kreuzfahrtschiffe. Am besten kommen in einer Studie des deutschen Naturschutzbundes aus dem Jahr 2015 noch die Reedereien AIDA und Costa weg.

  • Menschenrechte & Arbeitsbedingungen vor Ort hinterfragen

Löchert vor der Ferienbuchung euren Veranstalter, auch wenn's unbequem ist: Was tut er vor Ort für den Schutz von Kindern im Tourismus? Unterstützt das Hotel Kinderschutzmaßnahmen? Wie sind die Arbeitsbedingungen der Hotelmitarbeiter? Orientierung geben auch eine Vielzahl an Labels, die verantwortungsbewusste Unternehmen auszeichnen, darunter der Tourism Child Protection Code und das Fair Trade Tourism-Siegel, das sicherstellt, dass der Tourismus der Lokalbevölkerung auch langfristig nützt. Einen umfassenden Überblick gibt die Website fair unterwegs.

„Indem ich in ein Land reise, unterstütze ich in jedem Fall die Regierung, selbst wenn ich sie schlecht finde“, so Tourism Watch.
  • Gut informiert über das Reiseziel sein

Der Besuch von Ländern, die von Diktatoren oder totalitären Regimes regiert werden, ist nichts Ungewöhnliches mehr. „Doch wenn wir nach China, Myanmar, Sri Lanka, Honduras, Qatar oder Botswana reisen, müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob wir denn auch wissen, wen oder was wir da möglicherweise mit unserem Geld unterstützen“, schreibt Herrmann. Eine Sprecherin der tourismuskritischen Organisation Tourism Watch bestätigt: „Indem ich in ein Land reise, unterstütze ich in jedem Fall die Regierung, selbst wenn ich sie schlecht finde.“ Nicht nur in Form von Visagebühren und Steuern; viele Regierungen sind häufig selbst Tourismusakteure und verdienen an staatseigenen Airlines und Hotels.

„Aber es gibt auch die andere Dimension“, ergänzt Tourism Watch: Möglicherweise kann ich durch meine Art zu reisen einen positiven Effekt für die lokale Bevölkerung erzeugen, z.B. indem ich in lokalen Restaurants esse und vor Ort Kunsthandwerk kaufe. An dieser Stelle möchte ich also niemandem sein ersehntes Fernreiseziel vermiesen; aber sorgfältig abgewogen sollte die Reise doch sein.

  • Tierrechte achten

Um die Rechte von Tieren im Tourismus ist es schlecht bestellt. Und damit ist nicht nur die Jagd auf Großwild und Trophäen gemeint. In Delfinarien weltweit erleiden Orcas, Wale und Delfine in viel zu kleinen Betonbecken Qualen, werden von Trainern misshandelt und geschlagen. „Jedes Becken ist für Delfine zu klein, zu kahl, zu reizlos, schlicht zu artfremd“, schreibt die Organisation OceanCare auf ihrer Website. „Werden die hochintelligenten Tiere in Delfinarien gehalten, verlieren sie alles: ihre Freiheit, ihre komplexen Familienbande, ihr natürliches Verhalten.“ Leider sind gerade diese Einrichtungen eine große Attraktion für Familien. Ich werde sie künftig meiden. Ocean Care rät stattdessen dazu, den Meeressäugern bei verantwortungsvoll geführten Beobachtungstouren in ihrem natürlichen Lebensraum zu begegnen.

Weitere Problembaustellen: Kutschfahrten in Großstädten (die Pferde leiden unter Abgasen, Beinverletzungen durch harte Flächen, zu langen Arbeitszeiten); Elefantenreiten in Asien (Misshandlungen, Mangelernährung u.a.) oder auch Löwen-Streichelfarmen in Afrika, für die Löwenbabys von ihren Müttern getrennt und als Touristenattraktion missbraucht werden. Am besten: Finger weg von Tieren in Gefangenschaft. Wo auch immer möglich, sollte man versuchen, sie in freier Wildbahn zu erleben.

  • Müll vermeiden

Speziell auf Reisen hinterlassen wir große Mengen Abfall. Ob das Einweggeschirr im Fast-Food-Laden, der Strohhalm im Cocktail, die Plastiktrinkflasche, die abgepackten Butterportionen im Hotel – das alles summiert sich zu gigantischen Bergen. Das Zauberwort heißt Müllvermeidung, besonders was Plastikmüll angeht. Zum Beispiel: unnötige Produktverpackungen vor der Reise entfernen, wiederverwendbare Trinkflaschen einpacken, für Einkäufe vor Ort eigene Beutel mitnehmen, für Essen unterwegs eigene Lunchboxes.

Fazit: Frank Herrmann lässt nicht einen einzigen Bereich außer acht: Es fängt mit dem Kauf von fair und ohne Tierquälerei produzierter Outdoor-Kleidung und Ausrüstung an (gut: Patagonia), geht mit dem Kauf von nachhaltig ausgerichteten Reiseführern weiter (z.B. Stefan Loose Travel Handbücher) bis hin zur Maßnahme, zu Hause während der Reise alle Stand-by-Geräte auszuschalten.

Ein sehr komplexes Thema und bereicherndes Buch. Im Serviceteil findet man zahlreiche Tipps und Links für die individuelle Reiseplanung. Hier möchte ich als Empfehlung noch Veranstalter mit dem TourCert-Siegel nennen sowie jene, die sich im forum anders reisen einem nachhaltigen Tourismus verschrieben haben. „Gute Reise!“, das heißt für mich künftig auch „Faire Reise“.


Konversation wird geladen