20.
May.
2016
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Silberfische im Marmeladenglas

10 tolle und 6 absurde Tipps für eine umweltbewusste Kindererziehung – „Green Parenting“ von Kate Blincoe im Praxis-Check

Grün, grün, grün sind alle meine Blätter... frischer und saftiger als jetzt zeigt sich die Natur in keinem anderen Monat. Passend zum grünen Rausch habe ich mich in das Buch Green Parenting von Kate Blincoe vertieft. Darin hält die britische Journalistin interessante Tipps parat, „wie man Kinder großzieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird.“

Was mir an Kate Blincoes Buch gefällt, ist ihre pragmatische Herangehensweise an das Thema Nachhaltigkeit und ihr trockener Humor zwischen den Zeilen. Die Autorin ist Mutter von zwei Grundschulkindern und weiß, wie wenig Zeit Eltern im Alltag bleibt, um alle Aspekte eines umweltfreundlichen Lebensstils im Blick zu behalten – Stoffwindel vs. Wegwerfwindel ist nur einer der Stichpunkte. Ihr geht es vielmehr darum, die Natur und die Welt direkt vor der Haustür bei der Kindererziehung ins Zentrum rücken.

Verständnis für die Natur vor der Haustür

„Wenn die nächste Generation kein Verständnis und Gefühl für die Welt der Natur entwickelt, kann sie nicht lernen, sich engagiert für sie einzusetzen‟, schreibt Blincoe. „Außerdem wird ihr das Wissen fehlen, um sachkundige Entscheidungen zu treffen. Wir sollten sie aber auf die wichtigen Aufgaben der Zukunft vorbereiten.“

Nach der kurzen Einleitung geht's auch schon über zu den Tipps, Anregungen und Rezepten, von denen ich euch einige vorstellen möchte: Zehn, die ich am besten fand, aber auch sechs, die ich mir nicht auf die To-Do-Liste setzen werde.

Hier die TOP 10:

  1. Beim Spielzeug fängt der Spaß an: Es sollte möglichst aus Deutschland sein. Und zwar nicht, um die hiesige Wirtschaft anzukurbeln, sondern um Transportwege zu verringern und Gewissheit über korrekte Arbeitsbedingungen zu haben – von der Qualität mal ganz abgesehen. Oder selber basteln, z.B. eine Klapperrassel aus einer Plastikflasche und Knöpfen
  2. Gegen den Konsumrausch kann man einfach die vorhandenen Spielsachen immer mal wieder zum Spaß gemeinsam mit den Kids einpacken (in gebrauchtes Geschenkpapier natürlich) und bei einem gespielten Fest an Freunde, Geschwister und Teddys verteilen. So lernt das Kind seine Besitztümer wieder neu schätzen
  3. Immer mehr Eltern fahren ihre Kinder auch bei kürzesten Strecken mit dem Auto zur Schule – dieses Thema hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 15. Mai als Aufmacherstory! Wie unnötig und umweltschädlich das ist, schreibt auch Kate Blincoe. Und rät daher: „Schlagen Sie an der Schule die Werbetrommel für den Fußweg!“
  4. Finden eure Kinder Spaziergänge, auch den Weg zur Schule, langweilig? Dann sind Entdeckerspielchen das richtige; für jede Entdeckung gibt es einen Punkt, wer als erster 5 Punkte hat, ist Sieger. Ein Beispiel: Wer von euch sieht als erster ein Säugetier? Eine Eiche? Müll? Nebenbei kann man den Kids Wissenswertes über Artenvielfalt und Recycling unterjubeln
  5. Auch eine Fotosafari kann den alltäglichsten Weg zum Abenteuer machen. Dabei darf das Kind alles ablichten, was es interessant findet. Aus den Abzügen kann das Kind sein eigenes Fototagebuch gestalten, jahreszeitlich geschmückt mit Blättern oder Zweigen
  6. Einen saisonalen Sonntag einlegen: Das bedeutet, an einem Tag in der Woche nur saisonale, regionale Erzeugnisse zu essen. Die wurden entweder mit dem Kind auf dem Wochenmarkt besorgt oder, idealerweise, in der Natur gesammelt. Dazu gibt's im Buch Rezepte für Löwenzahnpfannkuchen und Nessel-Muffins
  7. Obst und Gemüse macht man mäkeligen Kindern mit selbstgemachten Smoothies schmackhaft. Wir haben Kates Leucht-Smoothie ausprobiert, köstlich! Darin: 350 ml Mandelmilch, 2 geraspelte Karotten, 180 g Mango in Spalten, 1 gefrorene Banane – einfach alles verquirlen. Reicht für 3-4 Kinder (oder 1 gierige Mama)
  8. Wissenswert für den Sommer I: Um Vitamin D erzeugen zu können, braucht der Körper eine gewisse Zeit in der Sonne ohne Sonnencreme. Vitamin D wird für die Kalziumaufnahme der Knochen gebraucht. Werden Kinder zu schnell eingecremt, kann bei ihnen ein Mangel dieses lebenswichtigen Stoffs entstehen
  9. Wissenswert für den Sommer II: Natürliches Insektenspray lässt sich aus abgekochtem Wasser, Hamameliswasser und ätherischem Öl herstellen, z.B. Citronella oder Lavendel. Per Sprühflasche über den Körper verteilt, wirkt es auch herrlich erfrischend
  10. Noch einen Tipp, zu dem eigens Kate Blincoes Oma als weise Ratgeberin herangezogen wurde: „Sie können die Luftqualität in Ihrem Zuhause ökologisch und kostenlos verbessern, indem Sie einfach das Fenster öffnen.“ Hat bei uns super funktioniert ;-)

Und dies, sorry Kate, die 6 Tipps ohne mich:

  1. Im Bad eine Silberfisch-Marmeladenglasfalle aufstellen, um am nächsten Morgen mit den Kindern die „hübschen, metallisch schimmernden Insekten“ zu bewundern
  2. Auf dem Balkon einen Komposthaufen anlegen und ihn ab und zu mit Urin befeuchten
  3. Statt auf ein Madonna-Konzert in 20 km Entfernung lieber auf ein „interessantes Konzert in der Bücherei um die Ecke“ gehen
  4. Fledermäuse auf meinem Dachboden als nützliche Nachbarn begrüßen
  5. Einen Ladenbesitzer, der bei laufender Heizung seine Tür offen stehen hat, auf seine Energieverschwendung hinweisen
  6. Waschnüsse statt Waschmittel verwenden

Nope, beim besten Willen nicht! Auch wenn's Punktabzug beim makellos grünen Lifestyle gibt.


Kate Blincoe: Green Parenting. Wie man Kinder großzieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird. Oekom Verlag, München 2016.

Kate Blincoe hat auch einen sehr unterhaltsamen Blog. Darin nimmt sie u.a. ihre eigenen guten grünen Vorsätze unter die Lupe bzw. auf die Schippe und berichtet von Erfolgen und weniger Gelungenem. Darunter auch die Idee, für kürzere Haare weniger Stromverbrauch beim fönen zu haben – Eco-fail! Stattdessen brauchte die neue Frisur wegen kompliziertem Schnitt sogar mehr Fönzeit und Produkte.

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