04.
Dec.
2015
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​Emma, Milo und das freche Ypsilon

Was macht Namen zu Trends? Die Autoren von „Was Elyas so cool macht – Beliebte Vornamen Jahrbuch 2015“ sind wahre Orakel

Die Redensart „Namen sind Schall und Rauch“ ist für mich unbegreiflich. Namen sagen so viel aus! Für mich sind sie wie eine Melodie, die einen Charakter entwirft, ein Bild erweckt, einen Zeitkontext verrät. Und so viel über Vorlieben und Eigenheiten der Eltern enthüllt. Die Namenswahl für unsere Kinder war eine entsprechend schwere Geburt – fast schwerer als die eigentliche... Doch meine Liebe zu Namensbüchern habe ich mir erhalten. Interessante Trends fand ich in dem Buch „Was Elyas so cool macht – Beliebte Vornamen Jahrbuch 2015“.

Verfasst haben es Annemarie Lüning und Knud Bielefeld. Er hat als leidenschaftlicher Namens-Statistiker die Seite beliebte-vornamen.de gegründet, sie bloggt darauf. Im ihrem Buch beeindrucken die umfangreichen Rankings der am häufigsten in Deutschland vergebenen Namen 2014 – noch ist 2015 ja nicht vorbei. Bei den Mädchennamen reicht die Liste bis Platz 482 (Tiara), bei den Jungs bis 489 (Milow). Die Arbeit eines echten Auswertungsfreaks! Hunderte von Geburtskliniken in ganz Deutschland lieferten Knud Bielefeld ihre Daten, mit mehreren Hunderttausend Namen – Erst- und Zweitnamen – befasste er sich.

Emma in Literatur, Film und Popmusik

Im vergangenen Jahr lautete des Name des absoluten Traumpaars Emma und Ben – beide Namen wurden am häufigsten vergeben. Gefolgt von Mia und Louis, Hannah und Paul, Sophia und Lukas (in verschiedenen Schreibweisen). Auf Spurensuche nach Emmas Beliebtheit gibt es verschiedene Thesen: Lag es an einer „Friends“-Folge, in dem ein Baby Emma genannt wurde? An „Baby Spice“ Emma Bunton? Zwei wunderbaren Jane-Austen-Verfilmungen ihres gleichnamigen Romans? Hier hat jeder sicher seine individuelle Geschichte, ebenso wie die Eltern aller Bens.

Die Welt wird kleiner, die Namensvielfalt größer

Einen interessanten Trend bei den Jungs finde ich die immer häufigere Namensendung auf -o. Auf Platz 32 hätten wir da Matteo, es folgen Leo, Theo, Niko, weiter geht's mit Bruno, Emilio, Fabio, Nino, Nevio, Diego – da bekommt man ja richtig Fernweh nach mediterranen Gestaden! Der Blick reicht zunehmend über den Tellerrand. Die Welt wird kleiner, die Namensvielfalt größer. Recht romantisch finde ich den Trend zu Jungsnamen mit a-Endung wie Luca und Mika.

Bei den Mädchen ist in dieser Hinsicht jedoch die Abnahme einer Vielfalt zu bedauern: Nahezu alle Mädchennamen enden heutzutage auf -a. Das war früher nicht so, als die Schulbanken noch von Ingrids, Lisbeths, Marions und Birgits bevölkert wurden. Dabei gibt es auch „moderne“ Alternativen ohne a-Endung wie Anouk, Berit, Rahel, Elinor oder Katalin.

Inspirationen von Fontane bis „Gala“

Nach dem Motto: Sage mir, wie dein Kind heißt und ich sage dir, was du liest (bzw. ob du liest), lassen sich meiner Meinung nach viele Zuordnungen vornehmen. Ida, Michel und Madita – ganz klar stand Astrid Lindgren Patin. Eine gewisse Fontane-Affinititä vermute ich bei Florentine, Stine, Charlotte und Carl. Eher Theodor Storm bei Levke, Lasse, Bjarne und Edda. Alttestamentarisch sollten die Eltern von Levi, Joshua, Noah, Samuel und Jonathan bewandert sein. Für die Eltern von Chayenne, Melody, Miley, Scarlett, Jayden, Connor und Maddox ist vermutlich die „Gala“ eine wichtige Informationsquelle. Und dann wären da noch die Fußballfreunde, die Mats, Sami und Neymar zu Trendnamen machen.

Trend-Auslöser – vom Fußballturnier bis zum Song Contest

Neymar ist dank seines Ypsilons übrigens der trendigste der drei Fußballernamen. Mit einem Hang zu Exotik und dem Wunsch nach Einzigartigkeit ist wohl die zunehmende Einfügung dieses Buchstabens in Namen zu erklären, die bislang eigentlich ganz gut ohne auskamen, z.B. Emilya und Eliyas. Ein weiteres aktuelles Phänomen: Koseformen als eigenständige Namen zu vergeben – wie etwa Leni (Helena?) oder Lotta (Lieselotte? Charlotte?). Knapp und beherzt auf den Punkt gebracht. Die kurzen Namen harmonieren auch gut mit dem Trend zu „frechen“ Namen wie Fritzi oder Oscar.

Ich bin gespannt, wohin die Reise 2016 geht und welche Namen in den Fokus rücken. Neben Fußball-Turnieren können hier Events wie der Eurovision Song Contest wichtige Anstöße liefern; man denke an Lena oder Elaiza.

Damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, darf ich noch erwähnen, dass ich selbst passionierte „Gala“-Leserin bin und ein Faible für amerikanische Promikinder-Namen habe ;-) Bei der Namenswahl unserer eigenen Kinder mussten wir allerdings das Kunststück vollbringen, meine Schwäche für die griechische Mythologie mit der Vorliebe meines Mannes für 60er-Jahre-Schlager zu kombinieren...

Annemarie Lüning und Knud Bielefeld: Was Elyas so cool macht. Beliebte Vornamen Jahrbuch 2015. Books on Demand 2015.

Auf der Website der beiden Autoren findet ihr beliebte Namen, seltene Namen, Zwillingsnamen, Namenstage, Namensherkunft, einfach alles über Namen: www.beliebte-vornamen.de


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