01.
Jan.
2016
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Buddha als Mamas Komplize

Das neue Jahr kann kommen: 137 tolle Erkenntnisse und gute Vorsätze aus einem Buddhismus-Guide für Eltern

Ommm – es ist kurz vor 9, der Aufbruch zur Kita steht an, da gießt sich die Kleine ihr Saftglas über den Kopf, der Große findet heulend sein Lieblingsbuch nicht, der Haustürschlüssel hat sich in Luft aufgelöst... Ommm – ich werde jetzt ruhig bleiben, tief durchatmen!

Ein wenig Buddhismus haben wir alle im Alltag schon praktiziert, oder? Jetzt habe ich ein Buch entdeckt, das 137 buddhistische Tipps für den Alltag mit Kindern vereint: „Buddhism for Parents on the go“ von Sarah Napthali. Ein Schatzkästlein an Wahrheit und Weisheit!

Von A wie Angst über M wie Monotonie bis Z wie Zorn erklärt uns die Autorin in kurzen Abschnitten, was Buddha dazu denken – und raten – würde. Hier ein Best Of meiner Entdeckungen:

Das Glück der Anderen – Von Mitfreude und Mitleid

Auch Buddhisten können un-Dalai-Lama-mäßige Gefühle haben. Sarah Napthali erlebte jeden Abend beim Zubettbringen ihrer Söhne ein Drama aus Geheul und Weigerung. Allen Eltern gegenüber, die dieses Problem nicht hatten, empfand sie Neid. Das Gegenteil von Neid ist im Buddhismus die geteilte Freude, die Feier des Glücks der Anderen.

„Das ist natürlich eine ganz schön weite Entfernung zwischen Neid und Mitfreude“, räumt Napthali ein. „Aber in diesem konkreten Fall musste ich einfach meine eingeschränkte Wahrnehmung der anderen Eltern als 'ätzende Leute, deren Kinder früh zu Bett gehen' ändern in 'Eltern, die auf andere Weise leiden als ich'.“ So kann Neid in Mitgefühl umgeformt werden. Sarah Napthali stellte sich zum Beispiel gern vor, dass die Kinder dieser Eltern bestimmt jeden Morgen um halb 6 aufwachten. Ob Buddha auch Häme kennt? ;-)

Sammle die Eier und nicht den Schiss!

Eine Parabel des buddhistischen Mönchs Ajahn Brahm: Zwei Bauern gehen in den Hühnerstall. Der eine bringt Hühnerkacke mit nach Hause, der andere Eier – der eine zum Unverständnis, der andere zur Freude seiner Familie. Nun Brahms Frage: Was bringst du mit nach Hause? Genauer gesagt: Bringst du den ganzen Schlamm mit nach Hause oder sortierst du das Positive darin heraus? Und so rät Brahm, im Rückblick auf den Tag nicht die Enttäuschungen zu zählen, die er enthielt, sondern die Lichtblicke hervorzukehren. Da gibt es doch auch ein Sprichwort: „Mach es wie die Sonnenuhr – zähl die heitren Stunden nur!“ :-)

Enttäuschende Freunde

Wenn man Kinder bekommt, sind alte Freundschaften neuen Herausforderungen ausgesetzt. Am besten funktioniert's natürlich, die Freunde auch Kinder kriegen und sich alle gleich gut verstehen. Aber selbst da wird es Situationen geben, in denen ein Ungleichgewicht entsteht: den einen Eltern sind die Treffen vielleicht wichtiger als den anderen, während die anderen gedankenlos sind und sich seltener melden.

Gleichmut ist hier der Schlüssel, um Enttäuschungen zu vermeiden. Oder, etwas sperriger: Das Nicht-verhaftet-sein. Damit verabschiedet man sich von persönlichen Wünschen in Bezug darauf, wie die Welt sein sollte. Eine Selbstbefragung wäre nützlich: Halte ich meine Freunde für mein Glück zuständig? Klammere ich an meiner Erwartung, wie andere sich verhalten sollten? Erwarte ich, dass jeder mich zu jeder Zeit liebt?

Kinder sind keine „Mini-Me's“

Wir neigen dazu, Menschen Labels anzuheften: der Abenteurer, die Drama Queen, der Clown usw. So auch bei unseren Kindern. Doch mit Schubladendenken können wir Gefängnisse für sie erschaffen. Stattdessen sollten wir uns immer wieder neu fragen, wer sie sind. Denn Menschen ändern sich, reifen, verhalten sich widersprüchlich. Und vor allen Dingen sollten wir nie versuchen, unsere Kinder nach einem Bild zu formen, das wir selbst für sie erschaffen haben.

Sarah Napthali trifft mit ihren Ausführungen, die sie unter „Blindheit“ listet, genau meinen Nerv. Ich musste in diesem Zusammenhang an Eltern denken, die ihre Kinder als „Mini-Me“ bezeichnen. Fand ich schon immer bestürzend.

Haushalt I: Eine Lehre fürs Leben

Nur mit Riesengeschrei bringt Sarah Napthali ihren Sohn dazu, ihr im Haushalt zu helfen. Dennoch lässt sie nie locker. Denn: Die erste von Buddhas Vier Edlen Wahrheiten besagt, dass das Leben aus Leiden besteht. Unwohlsein, Unzufriedenheit und vieles mehr. „Unsere Kinder können nicht im Glauben aufwachsen, dass die profanen Seiten des Lebens für sie nicht gelten würden“, findet Napthali. „Wir leiten sie in die falsche Richtung, wenn wir sie lehren würden, dass es im Leben immer nur um Spaß und ihre persönliche Bequemlichkeit geht.“ Also: Megaphon umgeschnallt und den Besen geschwungen! ;-)

Haushalt II: Die „einfach nur“-Meditation

Haushalt und Gartenarbeit können einen versklaven. Beim Blätterrechen in ihrem Hinterhof war Sarah Napthali jedes Mal innerlich am Brodeln: Was für eine Zeitverschwendung, ich würde den Baum am liebsten fällen, warum machen die Kids das eigentlich nicht usw. Der eigentlichen Tätigkeit des Rechens fügte sie also jede Menge Ungutes hinzu.

Zen-Buddhisten jedoch ermutigten sie, diese Aktivität als einfach nur rechen anzusehen. Achtsamkeit ist das Stichwort. Durch diese innere Haltung kann man das „Sinnesfest des gegenwärtigen Moments“ erleben: Das Scharren des Rechens, das Knistern des Laubs, die Gerüche der Natur, das Befriedigende einer aktiven Tätigkeit. Eine meditative Zeit, in der sich der Geist erholen kann. Muss ich erwähnen, dass Buddha kein Freund des Multi-Tasking ist?

Familienurlaub: Willkommen, Unvorhersehbarkeit!

„Wenn die Kinder noch sehr klein sind, ist der Begriff 'Familienurlaub' einer der heftigsten Widersprüche in sich“, meint Sarah Napthali. Denn in dieser Lebensphase hat jedes Familienmitglied eine sehr unterschiedliche Vorstellung davon, wie Urlaub sein sollte. Hängt man zu fest an einer dieser Vorstellungen, wird der Urlaub zur Hölle.

Die zweite von Buddhas Vier Edlen Wahrheiten besagt, dass das Verlangen, das Wünschen die Ursache von Leiden ist. Wenn wir also darauf bestehen, dass der Urlaub nur auf eine bestimmte Weise durchgeführt werden kann, werden wir leiden. Anspannung, Streit, Enttäuschung sind vorprogrammiert. Da hilft nur ein Good-bye an alle Erwartungen und ein Willkommen an Unvorhersehbarkeit, Verhandlungen, Kabbeleien, Kompromiss und Flexibilität!


Sarah Napthali: Buddhism for Parents on the go. Gems to minimise stress. Australien 2010.


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