24.
Mar.
2016
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Eine kalte Dusche auf die Löffel

Ostern wird immer mehr zum Weihnachtsableger – ein reines Konsumfest für die Kids. Wie aus der Nummer wieder 'rauskommen?

Wie fleißig ist bei euch der Osterhase? Bei uns hat er dummerweise einige Altlasten vom Weihnachtsmann geerbt. Alles, was der nicht mehr geschafft hat, haben wir unbedacht dem Osterhasen untergejubelt. Es war so einfach und praktisch, und das Kind ließ sich vertrösten. Puh, jetzt haben wir den Salat: Auf dem Osterwunschzettel stehen Wikingerschiffe, Ritterburgen, Star Wars-Figuren, Fahrräder und Rollschuhe.

Wie dem Kind jetzt noch erklären, dass das Fest keine Konsum-Orgie ist, an dem es schon zum Frühstück Schokoeier gibt und unter jedem Gartenstrauch ein Päckchen liegt? Die Jesusgeschichte hatte es ja schon in der Kita... Also am besten mal wieder über den Tellerrand hinausgucken, das Kind ablenken und auf neue Ideen für die Osterferien bringen.

Schauen wir, was es in anderen Ländern so an Bräuchen gibt, von Eierrollen über Hexentanz bis hin zur Wasserschlacht:

Begrüßung mit dem Wasserkübel

In Polen gibt's zu Ostern eine kalte Dusche! Jeder, der an Ostermontag draußen ist, muss damit rechnen, mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, Schöpfkellen und Eimern voller Wasser begrüßt zu werden. Die Tradition soll an die Taufe des Herrschers Mieszko I. erinnern. Das sog. Osterspritzen ist vor allem für Kids ein Riesenspaß. Sie lauern an Bushaltestellen, Kirchen, Hauseingängen, Unterführungen oder Brücken. An Omas Wohnzimmertafel fänd' ich den Brauch problematisch, draußen wär's bei gutem Wetter doch mal eine Alternative zum Ostereiersuchen.

„Hase, go home!‟

In Australien bringt der Bilby die Ostereier, es gibt ihn auch selbst in Schokoladengestalt. Der Bilby ist ein hasenähnliches Tierchen, das praktischerweise kleine Geschenke im eigenen Beutel transportieren kann. Mit dem Hasen ist er sich spinnefeind: das von europäischen Siedlern eingeführte Langohr hat sich zur lebensbedrohlichen Plage für den Bilby entwickelt. Mit der Kampagne „Bilbys, not Bunnys‟ unterstützt ihn daher seit 1991 eine „Stiftung für ein hasenfreies Australien‟. Meine Kinder würden sicher gern ein paar Dutzend australischen Häschen ein neues Zuhause bieten ;-)

Osterhexen und Federpuscheln

In Schweden ziehen am Gründonnerstag Mädchen und Jungen mit Kopftüchern und mit langen Röcken als „Osterweiber‟ verkleidet von Haus zu Haus und hinterlassen dort selbst gemalte Osterbriefe. Als Gegenleistung werden gern Süßigkeiten oder Münzen genommen. Die Erwachsenen schmücken ihre Wohnungen derweil mit Birkenreisig und knallig-bunten Federpuscheln. Osterhexen gilt es auf dem westschwedischen Berg Blåkulla zu vertreiben, die sich dort mit dem Teufel treffen. Ihnen wird mit Feuerwerk, Lärm und Feuern zu Leibe gerückt.

Egg Roll statt Rock'n'Roll

In den USA ist Präsident Obama am Ostermontag Gastgeber des White House Easter Egg Roll. Dazu wird ein Gartenstück des Weißen Hauses zur Spielwiese umfunktioniert, auf der Dutzende von Kindern ihre Ostereier mit Esslöffeln herumrollen. Zum Dank gibt es ein vom Präsidenten und der First Lady signiertes Holzei. Das große Eierrollen findet seit 137 Jahren statt und wird von einem bunten Kinderfestprogramm begleitet. Die begehrten Tickets für das Event kann man nur per Lotterie gewinnen.

Letzte Ruhestätte für den Hering

In einigen Ortschaften Irlands finden am Ostersonntag Heringsbegräbnisse statt. Die Fische gelten während der Fastenzeit als Hauptmahlzeit. Werden sie symbolisch zu Grabe getragen, wird damit das Ende der kargen Zeit gefeiert. Willige Sponsoren für dieses Event sind örtliche Metzger, die nun wieder auf üppigere Einkäufe hoffen können. Eine weitere irische Ostertradition sind Tanzwettbewerbe auf den Straßen, bei denen man einen Kuchen gewinnen kann – und Fans natürlich.

Geschäftstüchtige Schweizer

In Zürich können Kinder ihr Osterei zu barer Münze machen. Beim Spiel „Zwänzgerle‟ hält ein Kinder ein hartgekochtes Ei in der Hand, während der Erwachsene versucht, ein Zwanzigrappenstück (entspricht etwa 20 Cent) so zu werfen, dass es im Ei stecken bleibt. Klappt das nicht, darf das Kind die Münze behalten. Bleibt das Geldstück im Ei stecken, geht es an den Erwachsenen. Auch eine Anregung fürs langweilige Kaffeekränzchen daheim!


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