30.
Jun.
2016
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Die Milch bringt der Pandabär

​Stadtkinder und Natur: vereinbar? Klar, findet Biologin Svenja Klemm und gibt in ihrem Blog „Hauptstadtpflanze“ super Ratschläge

Ein Blog über das Großwerden in Berlin und über die Frage, wie viel Natur in den Hauptstadtalltag passt – das ist die wunderbare Hauptstadtpflanze, geschrieben von der Biologin und 2-fachen Mama Svenja Klemm. Über meinen Beitrag zum Thema Green Parenting haben wir uns kennengelernt.

Wie bei mir schlagen auch bei ihr zwei Herzen in der Brust: die Liebe zum Stadtleben und die Liebe zum Grünen. Heute geht's also wieder mal um Vereinbarkeit, dieses Mal aber nicht von Job und Family, sondern von Stadt, Kind und Natur – ein Gastbeitrag der Hauptstadtpflanze:

Schätze der Stadtnatur entdecken

Stadtkinder denken, die Milch käme aus dem Tetra-Pak oder von lila Kühen, so lautet das gängige Vorurteil. Stimmt nicht! Bei uns zu Hause vermuteten die Kinder, die Milch sei vom Pandabären. Bio-Milch mit Werbung für einen großen Umweltverband macht’s möglich. Wir Stadteltern haben es also erfahrungsgemäß schwer, unseren Kinder Natur nahe zu bringen. Aber es ist eine Herausforderung, die der ganzen Familie Spaß bringen kann – und die sich lohnt.

Stadtnatur birgt so viel mehr, als Bäume am Straßenrand und Parkrasen. Lasst uns diese natürlichen Schätze entdecken! Als Anregung habe ich Euch ein paar Tipps zusammengestellt:

1. Geht raus!

Dieser Tipp ist vermutlich der Naheliegendste, und dennoch muss uns im Alltag oftmals der Spielplatz als „draußen“ reichen, schnell mal so zwischen Arbeit, Einkaufen und Abendessen. Meine Empfehlung lautet daher: Schafft Euch bewusst Freiräume für Ausflüge! Sucht Euch für das Wochenende ein Ziel, welches in erster Linie Natur bietet. Gibt es bei Euch einen Stadtwald? Ist der Badesee mit der Straßenbahn zu erreichen? Packt einen Picknickkorb und fahrt zwei Stationen mit der Regionalbahn, um gemeinsam etwas ganz Neues zu entdecken und einen Tag gemeinsam zu entschleunigen. (Bei mir bedeutet Picknickkorb übrigens Äpfel, Brezeln vom Bäcker und Wasserflaschen, das Ziel ist ja, den Stress hinter uns zu lassen.)

2. Forscht!

Wie war das noch? Warum ist der Himmel blau und wie heißt der bunte Vogel bei uns auf dem Balkon? Kinder interessieren sich für Naturphänomene und wir Eltern geraten bei den Erklärungen oftmals ins Schwitzen.

Werdet gemeinsam Naturforscher und geht den Dingen auf den Grund. Ausgerüstet mit Lupe, Fernglas und Wikipedia macht Stadtleben 2.0 sowohl Spaß als auch klug.

3. Nutzt Angebote!

Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen, so heißt es. Auch bei dem Wunsch, unseren Kindern die Natur nahe zu bringen, brauchen wir keine Einzelkämpfer zu bleiben. Die Angebote in Städten sind reichlich. Naturschutzverbände wie BUND und NABU bieten Ausflüge oder schön gestaltete Broschüren für Familien an, in Volkshochschulen stehen Wanderungen zu Regenwurm & Co auf dem Programm, und viele Initiativen stellen Forschertage, Mitmach-Aktionen und Naturabenteuer auf die Beine. Und seien wir doch mal ehrlich, mit anderen Kindern gemeinsam sind Unternehmungen meist viel lustiger als nur mit den Eltern.

4. Bastelt!

Natur erfahren ist etwas sinnliches, welches nicht nur den Sehnerv treffen sollte. Steine bemalen, Holzschiffchen aus Rinde basteln, Blätter pressen – all dies lädt ein, die Natur auch zu fühlen und zu „begreifen“. Praktischer Nebeneffekt: Geburtstagsgeschenke für Oma und Opa sind auch gleich fertig.

5. Lest!

Die meisten von uns wünschen sich, dass Ihre Kinder zu kleinen Leseratten heranwachsen. Das gemeinsame Lesen vor dem Zubettgehen hat in vielen Familien Tradition und auch lange Bahnfahrten lassen sich mit einem Buch gut überbrücken. Für Kinder gibt es wunderschöne Naturbücher, die mit spannenden Geschichten und zauberhaften Bebilderungen die Neugier auf die Umwelt wecken. Wir lesen gerade Darf ich mitkommen? von Brian Patten und Nicola Bayley, gemeinsam auf der Suche nach dem größten Tier der Welt.

6. Pflanzt!

Wie aus einem kleinen Samen mit etwas Erde, Wasser und Zeit eine Pflanze wird, ist immer wieder spannend. Außerdem haben Gießkannen bei uns als Spielzeug einen hohen Stellenwert, es geht im Hause Hauptstadtpflanze nichts über Pflanzen, die viel, sehr viel Wasser brauchen. Tatsächlich braucht man keinen Garten, um sähen und ernten zu können. Im Haus lassen sich Kräuter, Kressebeete oder kleinen Blumen eintopfen, mit Balkon steigen die Möglichkeiten entsprechend. Bleibt am Ende nur die Frage offen, wer die viele angepflanzte Kresse verzehrt. Aber Kakaobohnen in der Wohnung sind auch mir leider noch nicht gelungen.

Wie versucht Ihr als Stadteltern, Natur zum Thema zu machen? Welche Ergänzungen für diese Liste habt Ihr? Euch allen viel Spaß beim Forschen!

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