28.
Nov.
2015
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​Wie Mama zur Marke wird

Personal Branding-Expertin Nicole Kempe über Sichtbarkeit im Netz, verborgene Potenziale und das „bisschen“ Home Office nebenbei

Netzbusiness und Mutterschaft scheint das ideale Paar zu sein – flexible Arbeitszeiten, Home Office, Eigenverantwortung, kein nörgelnder Chef bei Krankheit der Kinder... da muss es doch irgendeinen Haken geben? Zu dieser und weiteren Fragen durfte ich Nicole Kempe löchern, Online-Marketing-Beraterin und Personal Branding-Expertin. Sie ist die Fachfrau, wenn es darum geht, eine Personen-Marke aufzubauen und das eigene Angebot – ob Produkt oder Dienstleistung – im Internet hervorstechen zu lassen. Doch um dieses Potenzial zu heben, braucht es eine systematische Vorarbeit. Nicole Kempe geht sie mit mitreißender Leidenschaft an.

Saint Iva: Ab welcher Phase der Business-Gründung macht es Sinn, zu dir zu kommen? Sollte ich meine Ziele schon genau kennen oder kitzelst du auch schon im frühesten Anfangsstadium wichtige Fragen heraus?

Nicole Kempe: Unabhängig davon, ob jemand in der Gründungsphase steckt, sich umorientiert oder einfach sein Business voranbringen will – über drei Punkte sollte man vorher nachdenken:

  • Markenaufbau:
    • Will ich mich oder mein Unternehmen zu einer Marke aufbauen?
    • Wenn ich mich selbst zur Marke aufbauen will, bin ich bereit, zu polarisieren? Polarisieren heißt: Halte ich Lobeshymnen genauso wie Buhrufe aus?
  • Sichtbarkeit im Netz:
    • Bin ich bereit, sichtbar im Netz zu werden?
    • Wie viele meiner Ressourcen – z.B. in Arbeitsstunden und/ oder Geld will ich investieren, um Kunden über das Netz zu gewinnen?
    • Kann ich damit leben, dass Sichtbarkeit kein Sprint sondern ein Marathon ist?
  • Business und Internet:
    • Wo will ich einem, drei und in fünf Jahren geschäftlich stehen?
    • Inwiefern soll das Internet zu meinem Geschäftserfolg beitragen?
    • Welche Möglichkeiten will ich nutzen, um mein Geschäft online auszubauen?

Oft sind diese Punkte für mein Gegenüber noch nicht so klar. Manchmal unterschätzen Menschen den damit verbundenen Arbeitsaufwand. Ich sehe mich als Sparringpartner und hinterfrage vieles. Mir ist es wichtig, das Businessmodell zu verstehen und wohin jemand im Leben will. Insofern spielt es für mich keine Rolle, in welcher Phase derjenige ist.

Wie steht's nun um Netzbusiness und Mutterschaft – die ideale Lösung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

N.K.: Ja, das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber Haken gibt es diverse:

1) Gerade im Bereich Netzbusiness muss man entweder Geld in die Hand nehmen oder sich in die Technik einarbeiten

2) Es ist auch hilfreich, wenn man sich ein wenig mit Analyse-Tools, Suchmaschinenoptimierung und Social Media auseinandersetzt

3) Das Netz verändert sich mit einer rasenden Geschwindigkeit und da muss man mitspielen wollen. Andernfalls ist dein heutiges Businessmodell morgen schon Schnee von gestern

4) Arbeitsroutinen muss man sich erarbeiten. Gerade wer ein Netzbusiness hat, ist vielen Ablenkungen durch E-mails, soziale Netzwerken und Online-Recherchen ausgesetzt. Automatisierungsprozesse und klar strukturierte Arbeitsabläufe helfen hier

Ich unterteile meinen Tag in Themenblöcke. Außerdem nutze ich zwei Timer: 60 min Business und 10 min Pause. In den 60 Minuten sind Facebook, Mails und Co. tabu, es sei denn, der Block heißt „Mails beantworten“. ;)

Wenn Kinder noch zu Hause rumspringen, ist das eine größere Herausforderung. Denn Kinder halten sich nur bedingt an die Timerzeiten. ;)

Wenn der Partner das Netzbusiness seiner Liebsten als "Liebhaberei" nebenbei ansieht, kommt es zu Spannungen

Ach ja, ein Haken, der selten zur Sprache kommt:

5) Wenn der Lebenspartner wenig Ahnung vom Business seiner Liebsten hat, kommt es manchmal zu Spannungen. Oft wird verlangt, den Haushalt neben dem „bisschen“ Home Office und Kinderbetreuung auch noch zu stemmen. Das kommt sicherlich auch daher, dass viele Mompreneurs ihr Business nebenbei in der Elternzeit aufbauen. Und so wird es dann lange gesehen – eben „nebenbei“ bis hin zu „Liebhaberei“.

Was ist der größte Hemmschuh, den speziell Mütter sich selber anziehen?

N.K.: Ich will nicht sagen Hemmschuh, sondern das Wort Herausforderung gefällt mir besser. Gerade Mompreneurs haben viele Bälle in der Luft: Mutter, Liebhaberin/Ehefrau und Unternehmerin. Das Jonglieren mit diesen Bällen ist definitiv eine Herausforderung. Vielen Mompreneurs fällt daher das Auslagern schwer. Wenn ich eben nicht gerne putze, dann hole ich mir jemanden. Die gewonnene Zeit kann ich entweder ins Business, in die Familie oder in mich selbst stecken. Die meisten sehen leider nur den finanziellen Aspekt. Sie verbuchen das als Ausgabe für etwas, dass sie locker auch selbst machen können, realisieren aber den Gewinn nicht.

Bei vielen ist die Angst vorm Scheitern oder die Angst vorm Erfolg – ja, auch das gibt es :-) – zu groß

Auslagern bezieht sich nicht nur auf den Haushalt, sondern auch auf das Business. Gerade Mütter sind es gewohnt, permanent flexibel mit neuen Situationen umzugehen und alle Probleme selbst zu lösen. Im Geschäftsleben ist das aber hinderlich. Fokus auf Kernkompetenzen ist hier die Zauberformel.

Nach der Elternzeit – ein Jahr oder länger – neigen Frauen dazu, sich in beruflicher Hinsicht nicht gleich wieder soviel zuzutrauen – wie gibst du ihnen den nötigen (Selbstfindungs-)Schubs?

N.K.: Starten wir mit dem vielleicht hilfreichsten Geschenk, das in mir steckt: Ich glaube an Menschen. Ich denke, dass jeder in unserem Kulturkreis sein Leben leben kann. Jeder Mensch trägt das notwendige Potenzial in sich. Nur fürs rauslassen sind viele zu schüchtern. Oder die Angst vor dem Scheitern oder die Angst dem Erfolg – ja, auch das gibt es ;) – sind zu groß. Und genau daran kann man arbeiten.

Auch kann ich andere Menschen sehr gut begeistern und mit Ideen anstecken. So abgedroschen wie das klingt, aber es ist so: Ich denke in Lösungen. Und auf Lösungen kommt man nur durch Hinterfragen. Das löst schon Impulse aus.

Wie wird eine Mama zur Marke?

N.K.: Der Markenprozess bei einer Mama läuft genauso wie bei anderen Menschen auch: Man muss sich mit der eigenen Vergangenheit, Werten und dem eigenen Business auseinandersetzen. Zudem gelingt Markenaufbau nur mit dem notwendigen Selbstvertrauen.

Gerade im Bereich Markenaufbau begleite ich Menschen meist über mehrere Monate hinweg. Zwischen den Treffen können Wochen vergehen. Hier laufen sehr viele Prozesse im Inneren ab. Oft kommen auch alte Ängste und Blockaden hoch.

Fakt ist, es geht nicht darum, eine zweite Persönlichkeit für die Öffentlichkeit zu erfinden. Das denken viele Menschen zunächst. Aber das ist Blödsinn! Vielmehr steht die Entscheidung im Vordergrund, welche Facetten jemand nach außen zeigen will. Gerade im Netz werden die eigenen Aktivitäten immer transparenter und berufliches und privates Leben verschmelzen immer mehr. Daher muss man sich wirklich gut überlegen, für was man einstehen will und welche Positionen man vertritt.


Auf Nicoles Seite nicolekempe.de findet ihr viele weitere Infos zu Fragen der Selbstvermarktung sowie zu ihrem Beratungsangebot. Im Blog gibt sie Tipps zu Themen wie Käuferpersona, Schreibmotivation und Kreativitätstechniken.

Nicole verwendet den Begriff "MomPreneurs", der aus einem meiner Lieblingsnetzwerke stammt, mompreneurs.de. Hier werden Frauen vorgestellt, die erfolgreich Selbständigkeit und Familie miteinander verbinden – und Tipps an solche gegeben, die diesen Weg vor sich haben. Einen großartigen Austausch dazu bietet die Facebook-Seite der MomPreneurs.


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