16.
Dec.
2015
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​Mit Kind & Kollege

In Berlin entsteht Deutschlands erster Coworking Space mit eigener Kita. Arbeit und Nähe zum Kind wird so vereinbar

Im Juni 2015 wurde die Crowdfunding-Aktion erfolgreich beendet, jetzt nimmt das Projekt sichtbare Formen an: Coworking Toddler hat eine Immobilie gefunden! Berlin-Prenzlauer Berg, Greifenhagener Straße 48, ein begehrtes Pflaster. Hier sollen ab Frühjahr 2016 ein Dutzend Kleinkinder von engagierten Erziehern betreut werden. Das besondere daran: Ihre Eltern kommen mit. Sie arbeiten gleich nebenan im Bürobereich. Denn Coworking Toddler plant die Umsetzung von Deutschlands erstem Coworking Space mit integrierter Kita.

Mitten im Trubel von Förderanträgen und Handwerkerterminen verriet mir Mitgründerin Juliane Gringer Details zum Stand der Dinge.

Saint Iva: Gratuliere zur Top-Adresse! Beginnt jetzt der eigentliche Stress?

Juliane Gringer: Dass wir die Immobilie haben, ist ein großer Schritt. Wir haben einen wahren Besichtigungsmarathon hinter uns. Viele Behörden sind in ein solches Projekt involviert, die Kitaaufsicht, der Brandschutz... Da sind strenge Anforderungen einzuhalten. Vor drei Tagen konnten wir den Startschuss für den Umbau geben!

Wie werden die Räumlichkeiten aussehen?

J.G.: Es wird drei Bereiche geben: Der Bürobereich mit professionellem Arbeitsumfeld für die Eltern, der Kita-Bereich mit altersgerechter Spielelandschaft und der große Gemeinschaftsraum, in dem sich alle zum gemeinsamen Mittagessen treffen können – Kinder, Eltern, Erzieher.

Wieviele „Coworker“ können künftig hier arbeiten?

J.G.: Wir werden 12 Kinder aufnehmen und bieten pro Kind einen Schreibtisch. Den können sich die Eltern eines Kindes auch untereinander teilen, tage- oder stundenweise. Bei manchen Paaren hat vielleicht der Vater von seinem Unternehmen eine Home Office-Option, die er dann bei uns nutzt, ansonsten arbeitet seine Frau, die Freiberuflerin ist, bei uns. Wir sind selbst schon gespannt darauf, zu was für Konstellationen es kommen wird.

Es wird verbindliche Regeln geben: Die Kinder wuseln nicht im Büro herum und die Eltern betreten nicht unangekündigt den Spielraum.

Wird es ein Auswahlverfahren für Eltern geben, die zu Coworking Toddler möchten? Ich schätze, die Eltern sollten gut zueinander passen, man lernt ihre Kinder ja gleich mit kennen und verbringt Zeit mit ihnen...

J.G.: Also erstmal: Unsere Einrichtung ist für alle offen. Wir glauben daran, dass unser gemeinsames Ziel eine gute Basis schafft – der Wunsch, das Arbeitsleben mit der Nähe zum Kind zu verbinden. Für ein gutes Miteinander wird es natürlich auch ein paar verbindliche Regeln geben. Der Working- und der Kinder-Bereich liegen nebeneinander, sind aber räumlich voneinander getrennt; die Kinder werden nicht im Büro herumwuseln und umgekehrt werden die Eltern nicht den Spielraum betreten, ohne dass es mit den Erziehern abgesprochen ist. Jeder soll konzentriert arbeiten können.

Es gibt die Idee eines „Piepers“ auf dem Schreibtisch, der Mutter oder Vater Bescheid gibt, wenn das Kind sie wirklich braucht. Meine Bedenken wären: Wenn mein Kind weiß, dass ich in der Nähe bin, wird es mich bei jedem Wehwehchen brauchen...

J.G.: Generell ist es ja so, dass Kinder sich in ihrem Kita-Umfeld anders als zu Hause verhalten. Unsere Erzieher werden die Eingewöhnung so gestalten, dass die Kinder gut bei uns ankommen. Wir planen, dass die Kinder bereits in der Eingewöhnung nicht nur an eine bestimmte Bezugsperson, sondern an eine Gruppe von Personen – Kinder und Erwachsene – gewöhnt werden. Wir sehen das auch als Lernprozess für alle und setzen auf gegenseitiges Vertrauen.

Für viele ist der Kontrast einfach sehr hart, nach der Elternzeit plötzlich über Stunden weit entfernt vom Kind zu sein.

Es gibt bestimmt auch Kritiker Ihres Projekts. Manche behaupten vielleicht, es seien die Eltern, die nicht loslassen können und weniger die Kinder selbst.

J.G.: Während der Eingewöhnung, die sehr sanft und liebevoll gestaltet wird, lernen sowohl Kinder als auch Eltern loszulassen. Eltern und Kinder werden in der Eingewöhnungsphase gemeinsam mit unseren Pädagogen einen Weg finden, der allen Bedürfnissen gerecht wird. Hinzu kommt: Viele Eltern, die sich für unser Projekt interessieren, sind beruflich sehr engagiert und haben praktische Gründe: die Anfahrt zur Arbeit und zur Kita sind künftig ein Weg. Es ist doch auch schön, wenn man sein Kind im Laufe des Tages nochmal sieht, nicht nur abends. Für viele ist der Kontrast einfach sehr hart, nach der Elternzeit plötzlich über Stunden weit entfernt vom Kind zu sein. Und im Vergleich zum Home Office wiederum kann man in Coworking Spaces viel effizienter arbeiten.

Wie soll das Angebot finanziert werden?

J.G.: Die Kinderbetreuung soll über das öffentlich geförderte System laufen. In Berlin können Eltern einen Kitagutschein vom Senat bekommen. Hinzu kommt die Miete für den Schreibtisch im Coworking Space.

Was ist, wenn ich meinen Job verliere oder ins Unternehmensoffice abberufen werde – ist dann der Betreuungsplatz weg?

J.G.: Nein, das ist kein zwangsläufiges Aus. In solchen Fällen werden wir Möglichkeiten finden. Generell ist uns ein langfristiges Miteinander aber wichtig und wir wünschen uns Familien, die Lust haben, mit uns diesen Weg zu gehen.

Coworking Toddler ist deutschlandweit geplant – welche Städte habt ihr im Visier?

J.G.: Die Ballungszentren wie Hamburg, Köln, Frankfurt/Main und München – wir sind offen für interessante Standorte und Partnerschaften.


Habt ihr Interesse? Es sind noch Plätze frei! Alle Infos unter coworkingtoddler.com.


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