22.
Sep.
2016
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„Chancengleichheit ist mein Herzensprojekt“

Einen geballten Karriereschub für Frauen bietet die Messe herCAREER. Gründerin Natascha Hoffner über Netzwerke, Vorurteile und Berufung

Karriere-Chancen für Frauen – für dieses Thema schlägt das Herz von Natascha Hoffner. Die Messefachfrau hat die herCAREER erfunden, ein einzigartiges Forum, das am 13. und 14. Oktober 2016 zum zweiten Mal in München stattfindet. Hier hat man die Chance, sich mit hochkarätigen Persönlichkeiten aus den verschiedensten Branchen zu vernetzen, sich Unterstützung und Tipps zu holen. Da kann der eine oder andere Kontakt die Weichen fürs Berufsleben ganz neu stellen.

Die herCAREER richtet sich an alle Frauen, egal ob sie den Jobeinstieg, die Rückkehr nach der Elternzeit, ihren Aufstieg oder die Gründung eines eigenen Unternehmens planen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein Schwerpunkt.

Trotz Endspurt bis zum Messestart hat sich Natascha die Zeit für ein Gespräch mit mir freigeschaufelt, außerdem darf ich 5 Tagestickets für die Messe im Wert von je 20 Euro verlosen! Schaut einfach auf meiner Facebook-Seite vorbei und hinterlasst mir bis zum 29.9.16, unter dem herCAREER-Posting einen Kommentar, um teilzunehmen. Die Glücksfee von Fanpage Karma wird mir bei der Ziehung der Gewinner helfen. Ich melde mich dann per Facebook in einer persönlichen Nachricht bei euch.

Saint Iva: Wie ging's los mit der herCAREER?

Natascha Hoffner: Ich habe über 14 Jahre für eine private Messegesellschaft gearbeitet. Nach dem zweiten Kind bin ich nicht mehr zu meinem alten Arbeitgeber zurückgekehrt und habe schließlich mein eigenes Unternehmen messe.rocks GmbH angemeldet. In sechs Monaten haben mein Team und ich dann 2015 die erste herCAREER auf die Beine gestellt. Wir sind mit 73 Ausstellern und Partnern und rund 2.000 Besucherinnen und Besuchern gestartet. Heute hat sich die Messe aussteller- und flächenseitig mehr als verdoppelt und wir zählen aktuell rund 185 Aussteller und Partner. Wir erwarten 4.000 Besucherinnen und Besucher.

Chancengleichheit zu fördern, ist für mich ein Herzensprojekt, im beruflichen Kontext wie im privaten. Wir wollen auf der herCAREER mit Entscheiderinnen und Entscheidern zu Herausforderungen und Chancen diskutieren, und vielleicht gelingt es uns ja, etwas zu bewegen.

Warum brauchen gerade Frauen bei ihrer Karriereplanung einen speziellen Fokus?

N.H.: Die Karriereplanung für Frauen bietet immer noch nicht gleiche Chancen. Ein Blick in die Chefetagen reicht aus, um das zu erkennen. Wenn wir tatsächlich über das Thema Leistung gehen, müsste unsere Wirtschaft ein anderes Bild zeigen. Hier sieht man, wie stark Erfolg und Aufstieg auch von Netzwerken abhängig sind. Und genau da setzt die herCAREER an. Wir wollen Frauen mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen und sie konkret von den Erfahrungen anderer profitieren lassen.

Der starke Zulauf der Messe zeigt nur zu gut, dass Frauen sehr wohl erfolgreich sein wollen und sie hier genau diejenigen Mentoren und Förderer finden, die sie in ihrem beruflichen Vorankommen unterstützen. Einige unserer Persönlichkeiten wissen, wie steinig der Aufstieg ist, und wollen andere Frauen bei ihrer weiteren Karriereplanung als Sparringspartner zur Verfügung stehen.

Unterscheiden sich die Bedürfnisse von kinderlosen Frauen und Müttern dabei nicht auch sehr?

N.H.: Natürlich gibt es unterschiedliche Bedürfnisse zwischen kinderlosen Frauen und Müttern bzw. Eltern. Auch für mich war das Muttersein eine wahnsinnige Umstellung, da ich nicht mehr so flexibel war. Es gibt eine ganze Reihe an organisatorischen Fragen, die beantwortet sein wollen. Mir war von Anfang wichtig, weiterhin im Job zu bleiben und keine lange Auszeit zu haben. Mein Mann hatte daher bei beiden Kindern den Löwenanteil der Elternzeit übernommen.

Erst wenn die Väter ihr Recht auf Elternzeit selbstverständlich in Anspruch nehmen, wird es für Arbeitgeber keinen Unterschied mehr machen, welches Geschlecht sie beschäftigen.

Ich finde es wichtig, dass wir die Männer bzw. Väter mit in die Verantwortung nehmen. Es ist doch schon irre genug, dass in Vorstellungsgesprächen immer nur Frauen gefragt werden, wie sie das alles organisieren wollen. Mein Appell lautet daher auch, dass Frauen ihre Partner zwar ganz konkret in die familiären Aufgaben einbinden, aber auch loslassen und Verantwortung abgeben müssen. Erst wenn die Väter ihr Recht auf Elternzeit selbstverständlich in Anspruch nehmen, wird es für Arbeitgeber keinen Unterschied mehr machen, welches Geschlecht sie beschäftigen. Um so wichtiger ist es, dass wir Frauen, aber auch Männer, dahinterstehen und für eine Lohngerechtigkeit einstehen.

Das Messeprogramm ist unglaublich vielfältig und umfassend – und spiegelt damit ganz gut die vielen Entscheidungsmöglichkeiten wider, die eine Frau heute bei ihrer Karriereplanung hat. Doch zu viele Optionen können es auch schwer machen, den eigenen Weg zu finden. Welchen Tipp gibst du Frauen, die sich damit schwertun, ihre persönliche „Berufung“ zu finden?

N.H.: Die Vielfalt des Programms ist uns genauso wichtig, wie Expertinnen und Experten zu platzieren, die konkrete Antworten bzw. Hilfestellungen geben können. Ich würde gerne Frauen ermutigen, größer zu denken und mit der Messe die Chancen zu nutzen, sich Netzwerke zu schaffen.

Nur zu gut kenne ich es, dass man zunächst alles selbst im „stillen Kämmerchen“ ausprobiert und so eigene Erfahrungen machen will. Das muss aber nicht sein, denn mit den richtigen Netzwerken kann man vieles beschleunigen. Und genau deswegen ist das Engagement innerhalb der Messe riesig. Frauen, die noch auf der Suche nach ihrer persönlichen „Berufung“ sind, sollten ruhig das Wissen nutzen, das sie bereits haben und darauf aufsetzen. Es hilft immer, sich seine Stärken und Schwächen bewusst zu machen.

Wie holt ihr die Männer – und die Unternehmen, die sie repräsentieren – beim Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mit an Bord?

N.H.: Mit der herCAREER möchten wir Frauen mit Entscheidern zusammenbringen, die sie in ihrem Vorankommen unterstützen. Das sind natürlich auch Männer. Gerade wenn es um das Thema Vereinbarkeit geht oder auch darum, Frauen ins Management zu fördern, sind sie ein entscheidender Schlüssel für weiblichen Erfolg. Ganz spannend wird deshalb die Diskussion sein, bei der unter der Moderation der Süddeutschen Zeitung Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär aus dem Bundesfamilienministerium, mit Robert Franken, dem ehemaligen CEO von Chefkoch und erklärten Feministen, darüber spricht, ob Gleichstellung Männersache ist.

Arbeitgeber können sich heute nicht mehr erlauben, auf gut qualifizierte Mitarbeiterinnen zu verzichten. Sie sind darauf angewiesen, sich auch auf deren Bedürfnisse einzulassen.

Primär steht für uns im Fokus, Unternehmen zu platzieren, die Frauenkarrieren fördern und Chancengleichheit leben. Arbeitgeber können sich heute nicht mehr erlauben, auf gut qualifizierte Mitarbeiterinnen zu verzichten. Sie sind darauf angewiesen, sich auch auf deren Bedürfnisse einzulassen und Mütter – und natürlich auch Väter – zu unterstützen. Es sind aber nicht allein die Arbeitgeber, die gefordert sind. Deshalb wollen wir auch mit Politik und Wissenschaft darüber sprechen, wie neue Modelle aussehen können. Da gibt es zum Beispiel die Idee von Familienministerin Manuela Schwesig, einer der Schirmherrinnen der Messe, einer 32-Stunden-Woche. Aber auch beim Thema Kinderbetreuung und Ganztagesbetreuung ist die Politik gefordert.

Wie sieht deine Idealvorstellung für die Zukunft hinsichtlich weiblicher Karriereplanung aus?

N.H.: Jede Frau sollte das Modell wählen können, das sie persönlich glücklich macht. Zum Glück lässt unsere Gesellschaft mittlerweile unterschiedliche Modelle zu. Ein No-Go ist allerdings, dass Frauen benachteiligt werden aufgrund der Tatsache, dass sie Kinder bekommen können. Ich wünsche mir, dass allen Frauen ein beruflicher Aufstieg möglich ist. Weder unsere noch eine andere Wirtschaft sollte es sich erlauben können, auf die Potenziale gut ausgebildeter Frauen zu verzichten.

Auf dem Weg dorthin dürfen wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Die Frauen, die unseren Kindern heute den Weg eben, müssen wir noch viel mehr unterstützen. Und wir müssen auch dafür sorgen, dass sich insbesondere Väter schon heute für ihre Töchter einsetzen, damit sie zukünftig gleiche Chancen haben und gleiche Wertschätzung erfahren werden wie die Männer.


Das Messeprogramm in Kurzfassung findet ihr hier, die komplette Ausstellerliste hier. Auch auf Youtube ist die herCAREER vertreten.

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